Bucephalandra – Haltung, Vermehrung und der Sammelwahn

Die Bucephandras halten momentan in immer mehr Aquarien und Nanocubes Einzug. Die Ansprüche und optimale Haltungsbedingungen dieser oftmals recht teuren Unterwasserjuwelen habe ich einmal in diesem Beitrag zusammengestellt.

Außerdem findest du auch noch eine Auflistung meines derzeitigen Bucephalandra-Bestandes.

Bucephalandra superblue

Bei dieser Bucephalandra superblue sieht man schön die samtig-weich wirkende Blattoberfläche

Bevor ich zur Haltung bzw. den Haltungsbedingungen der Bucephalandras (übrigens so gesprochen: bu-ze-fa-lan-dra) komme, werde ich noch ein paar Wörter zur Herkunft verlieren:

Herkunft der Bucephalandras

Die hübschen Bucephalandras kommen direkt von Borneo (diese Insel wird zwischen Indonesien, Malaysia und Sultanat Brunei aufgeteilt). Dort wachsen sie meist direkt an Bächen und scheinbar nur relativ selten, wie bei uns im Aquarium, auch unter Wasser. Da Borneo in tropischen Gefilden liegt und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, halten sich die Bucephalandras über sowie unter Wasser, was uns Aquarianer natürlich sehr freut!

Endlich kann man mal wieder etwas sammeln! dachte ich mir…

Schattenseiten des Bucephalandra-Handels

Allerdings hat die Artenvielfalt der Bucephalandras auch deutliche Schattenseiten – vor allem in Bezug auf den Naturschutz, wie Stefan Hummel in einem Interview von Garnelentv deutlich macht:

Kurz zusammengefasst, wird gesagt, dass die natürlichen Bucephalandra-Bestände ziemlich schnell bedroht sein könnten. Denn der Mensch sieht natürlich den Markt für diese wirklich extrem langsam wachsenden Pflanzen.

Und so kommt es immer häufiger vor, dass komplette Naturbestände verschiedener Bucephalandra-Arten auf einen Schlag für den internationalen Handel gewildert werden.

Wie schön das natürliche Habitat der aus der Familie der Aronstabgewächse stammenden Bucephalandra ist – und vor allem hoffentlich uns lange noch so erhalten bleibt – ist in diesem Video zu sehen:

Es heißt zwar, dass es zwar ganze Farmen geben sollen, die Bucephalandras nachziehen, aber ich kann mir vorstellen, dass für den Grundstock dieser Nachzucht erst einmal auf natürliche Bestände zurückgegriffen werden musste.

Man sollte sich selbst auf die Fahne schreiben, nur Bucephalandras aus Nachzuchtgärtnereien zu beziehen. Natürlich ist es wirklich schwierig als Endverbraucher die Nachzuchten von Wildpflanzen zu unterscheiden.

Besonders wenn die Wildpflanzen, um sie als „Nachzuchten“ anzubieten, einfach nur einige Tage oder Wochen in Farmen zwischengelagert werden, um sie dann so als Nachzucht deklarieren zu können.

Ein paar Hinweise dazu konnte ich allerdings ausfindig machen:

Wie kann ich nun Zucht- von Naturbeständen an Bucephalandra unterscheiden?

Sollten die dir Angebotenen Pflanzen Fraßlöcher an den Blättern haben, ist davon auszugehen, dass diese über Wasser wuchsen. Das kann ein Indiz dafür sein, dass die Bucephalandra direkt der Natur entnommen wurde und dort von Schnecken etc. angefressen wurden.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass Bucephalandras nicht künstlich vermehrt wurden, sondern aus Naturbeständen stammen, ist wenn sich neue Blätter und Triebe komplett von alten in Form, Farbe oder Größe unterscheiden.

Einige Bucephalandras sollen wohl sogar schon gar nicht mehr in der Natur aufkommen. Selbst wenn es noch einige Überbleibsel an Beständen geben sollte, würde es wohl sehr lange dauern, bis diese sich erholt haben!

Bucephalandra motleyana "Melawi"

Meine persönlich erste Bucephalandra motleyana ‚Melawi‘. Hier mit zwei Blüten zu sehen!

Also am besten, Du greifst auf Gruppen-, oder Forenangebote zurück, wo Privatpersonen ihre im Aquarium gewachsenen Bucephalandras anbieten.

Daniel Birmbaum hat eine sehr nette und stetig wachsende Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, in der ausschließlich nachgezogene Bucephalandras angeboten werden dürfen!
Zur Bucephalandra-Tauschbörse

Hier kannst du dann relativ sicher sein, dass du keine Wildpflanzen erwirbst und die Wilderei nicht indirekt unterstützt!

Das hat dann auch den Vorteil, dass die Pflanze sich nicht mehr auf das Leben unter Wasser umstellen muss. Sonst hat man oftmals das Problem, dass einem erst einmal alle Überwasserblätter absterben und man denkt, die Pflanze sei komplett tot.

Dann aber nicht die Fassung verlieren, sondern sich nach ein paar Tagen über den ersten frischen Trieb freuen :)

So erging es mir auch bei einigen Bucephalandras, die ich über einen Forenuser gekauft hatte, die ein paar Tage zu viel auf der Post verbringen mussten…

Aus den intakten Bucephalandra-Wurzeln entwickeln sich nach einiger Zeit neue Triebe

Aus den intakten Bucephalandra-Wurzeln entwickeln sich nach einiger Zeit neue Triebe

Alle haben ihre Blätter komplett abgeworfen und nur noch der Wurzelstock wurde von mir auf Steine aufgebunden und mittlerweile haben alle wieder ein paar Triebe!

Bucephalandra – Haltung und Pflege

Wurzel mit Bucephalandra spec. Wavy Leaf auf...*
  • Die Pflanze ist mit einer Schnur auf der Wurzel aufgebunden.
  • Die Pflanze kann mit der Wurzel sehr schnell umgesetzt oder aus dem Aquarium entnommen werden.
  • Also sehr praktisch beim Herausfangen von Tieren aus dem Aquarium - hervorragend geeignet für Zuchtbecken.

Bucephalandra ‚Dark Achilles‘ – eine sehr gefragte Art!

Dann ist der Tag auch sicher bald gekommen, an dem du nach schier endloser Wartezeit deine erste Bucephalandra aus deinem Päckchen befreist und mit ganz vorsichtigen und spitzen Fingern auf eine Wurzel oder einen Stein bindest. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Bucephalandras auf Amazon:

Und zwar so vorsichtig, als wenn du eine Operation am offenen Herzen durchführen würdest – zumindest ging es mir so, als ich meine allererste Bucephalandra cf. motleyana ‚Melawi‘ erhielt.

Das beschriebene Verhalten ist durchaus als völlig übertrieben zu sehen, denn Bucephalandras sind ziemlich robust, meiner Erfahrung nach!

Teilweise kommen nach wochenlanger Reise nur noch die Rhizome der Bucephalandras an, die nach wenigen Wochen im Aquarium wieder einige Blätter ausgetrieben haben!

Bucephalandra auf Wurzel gebunden

Beim Aufbinden der Bucephalandra sollte man darauf achten, dass die bereits vorhandenen Blätter mit der Oberseite zum Licht gerichtet sind!

Wie oben bereits erwähnt, setzt man die Bucephalandra am besten auf einen Stein oder eine Wurzel. Auf keinen Fall sollten sie, wie Anubien auch nicht, direkt in den Bodengrund gesetzt werden. Sollten die Wurzeln nach ein paar Wochen vom Stein oder dem Holz in den Bodengrund wachsen, ist das aber kein Problem!

In den Ansprüchen sind sie mit Anubien vergleichbar. Sie benötigen wenig Licht, kaum Dünger und keine extra CO2-Düngung. Natürlich wachsen sie bei mehr Licht, Dünger und Co2-Anlage doch ein Stückchen schneller und bilden auch leicht anders aussehende Blätter aus, aber im Grunde genommen, wachsen sie auch in der hintersten Aquarienecke!

An die Wasserwerte stellen sie, meiner Erfahrung nach, ebenfalls wenig Ansprüche. Weiches und leicht saures Wasser ist von Vorteil (das ist aber bei den meisten Pflanzen so).

In einem separaten Beitrag habe ich gerade gezeigt, wie Du Bucephalandras vergleichsweise schnell vermehren kannst!

Je nach Licht bilden die Bucephalandras deutlich andere Blattformen aus. Daniel Birnbaum (der Link führt zu seiner Facebook-Seite) hat mir netterweise neben einigen anderen Infos folgenden Satz mit auf den Weg gegeben:

Bei „viel“ Licht wird das Blatt allgemein etwas kleiner und die Ausfärbung verstärkt! Bei „wenig“ Licht wird die Blattmasse größer.

Neben gewellten Blattformen, weisen Bucephalandras kurze ovale, länglich spitze oder lange breite Blätter auf. Die Bucephalandras erscheinen in den unterschiedlichsten Farben: von hellgrün, über bläulich-rot, bis hin zu lila-schimmernd existiert da fast alles! Häufig heben sich die frischen Triebe von den älteren Blättern ab.

Bei Bucephalandras kann man selbst mit bloßem Auge die kleinen silbrig-glänzenden Punkte auf der Blattoberfläche sehen. Diese sollen wohl winzige Sauerstoffblässchen sein.

Wer übrigens findet, dass Anubien schon langsam wachsen, der wird mit Bucephalandras vor Ungeduld sicher umkommen. Denn die Wuchsgeschwindigkeit ist wirklich ganz, ganz, ganz … – sehr langsam! ;) (ok, da gibt es auch Unterschiede)

So langsam, wie die Pflänzchen wachsen, traut man sich fast gar nicht, da irgendwas herumzuschneiden. Jedoch ist eine Teilung des Rhizoms, um die Bucephalandra auf mehrere Aquarien oder Standorte im Aquarium zu verteilen, gut, um die Pflanze schneller zu vermehren.

Bisher habe ich diese Variante lediglich an einer recht großen Bucephalandra ‚Superblue‘ ausprobiert. Und zwar habe ich in dem Fall wirklich jeden neuen Zweig abgetrennt und einzelnd auf Steine gebunden. Das kahle Rhizom, aus dem die ganzen neuen Triebe kamen, habe ich ebenfalls wieder aufgebunden und so habe ich die möglichen „Austriebsstellen“ multipliziert (zumindest scheinen alle Ausläufer es bisher gut überstanden zu haben :)).

Bucephalandra-Arten: gar nicht so einfach zu unterscheiden!

Wer sich schon einmal mit diesen Pflanzenjuwelen beschäftigt hat, wird es kennen: Es gibt unzählige Namen, der Bucephalandra. ‚Dark Achilles‘, ‚Golden Coin‘, ‚Super Blue‘, ‚Silverdust‘ und wie sie alle heißen. Es fällt schwer, auf Fotos die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bucephalandra-Arten zu erkennen.

Übrigens sind die oben beispielhaft genannten Namen lediglich Handelsbezeichnungen und diese werden in einzelnen Anführungszeichen gesetzt und groß geschrieben.

Beispielsweise so:
Bucephalandra ‚Dark Achilles‘

Die wissenschaftlich bestimmtesn Artnamen schreibt man komplett klein und ohne Anführungszeichen, wie hier zu sehen:

Bucephalandra pygmaea

Und dann wachsen Bucephalandras, die nah an der Aquariumbeleuchtung sitzen deutlich anders, als diese, die in der dunklen Wurzelspalte wachsen.

Ich möchte in diesem Post das Rad nicht neu erfinden und überlasse bei wissenschaftlicher Genauigkeit Heiko das Wort, welches er in einem wirklich tollem und umfangreichen Artikel auf Flowgrow niedergeschrieben hat!

Bucephalandras im eigenen Aquarium auseinanderhalten

Da sich, wie bereits erwähnt die Buces teilweise im Aussehen nur minimal unterscheiden, sollte man sich, sofern man denn den Überblick behalten möchte, ein System überlegen, die Pflanzen auseinander zu halten!

  • Methode 1
    Man schreibt einfach auf ein Stück Folie mit einem wasserunlöslichen Stift den Namen und steckt dieses Stück Folie unter den Nylonfaden, mit dem man das Pflänzchen fixiert hat
  • Methode 2
    Foto vor dem Einsetzen der Pflanze machen und in einem Ordner mit genauer Bezeichnung abspeichern
  • Methode 3
    Nach jedem Neueinzug ein Foto vom ganzen Aquarium machen und überall, wo Bucephalandras gepflanzt wurden, markiert man dessen Namen

Meine bisherigen Bucephalandras:

  • Bucephalandra ‚Melawi‘
  • Bucephalandra ‚Apollo‘
  • Bucephalandra ‚Superblue‘
  • Bucephalandra ‚Theia 2‘
  • Bucephalandra sp.
  • Bucephalandra ‚Nanga taman‘
  • Bucephalandra sekadau
  • Bucephalandra ‚Braun/rot‘
  • Bucephalandra l. ‚Green‘

Hast du noch eine bessere Methode oder Tipps und Tricks für alle Bucephalandra-Verrückten da draußen? Schreib es doch gerne in die Kommentare :)

16 Gedanken zu „Bucephalandra – Haltung, Vermehrung und der Sammelwahn

    1. Timo Artikelautor

      Hi Tanja,
      ich werde demnächst mal Fotos machen – sobald die Buces richtig gewachsen sind und ich sie überhaupt noch auseinander halten kann… :/
      Gruß
      Timo

  1. Volkmar Nierlein

    Hallo
    Kann ich die Bucephalandra auch in einem Malawibecken halten,
    oder wird die Pfl. an-oder abgefressen?
    Wie teuer ist die Buceph.?
    mfG

    1. Timo Artikelautor

      Hi Volkmar,
      ich vermute mal, dass die Bucephalandras gefressen werden.
      Wobei ich das nicht mit 100%iger Sicherheit sagen kann. Mittlerweile gibt es ja sogar im Handel und bei Amazon. Vielleicht probierst du es einfach mal mit einer aus: KLICK!
      Ich würde mich sehr freuen, wenn Du das Ergebnis mit mir teilst :)
      Schönes Wochenende noch,
      Gruß Timo

    1. Timo Artikelautor

      Hallo Uli,
      ja Du hast recht: Ich verlinke auf Amazon. Ich kläre aber auch über die Problematik auf, und letztendlich muss jeder selbst entscheiden, woher er die Bucephalandras bezieht.
      Gruß Timo

  2. Andi

    Nabend,

    mich würde interessieren was ihr als „wenig Licht“ beschreibt.

    Da ich derzeit 2 verschiedene Beleuchtungen zur Auswahl habe würde ich eventuell umstellen.

    Lieben Gruß Andi

    1. Timo Artikelautor

      Moin Andi,
      mit wenig Licht meine ich persönlich Beleuchtungen, die 0,2 bis 0,4 Watt/Liter bringen.
      Kannst ja mal schreiben, was Dir zu Wahl steht :)
      Gruß aus Hamburg
      Timo

  3. Patrick

    Hallo Timo,

    zur Wattangabe je Liter:

    Eine LED-Beleuchtung gibt ja mehr Licht als herkömmliche Alternativen bei gleicher Watt-Zahl. (Oder liege ich da falsch?)

    Somit wäre die Frage, auf was sich die angegeben Zahlen beziehen?

    Vielen Dank

    Gruß

    Patrick

    1. Timo Artikelautor

      Hi Patrick,
      grob gesagt, liegst Du richtig, ja LEDs sind deutlich energieeffizienter als bspw. Röhrenbeleuchtungen. D.h., dass sie bei gleicher Wattleistung mehr Licht geben.

      Trotzdem kannst Du dich an den angegebenen Zahlen orientieren. Ich persönlich würde heute nur noch LEDs einsetzen – einfach um Strom zu sparen!

      Was für eine Aquariengröße hast du denn geplant? Vllt. kann ich Dir eine Leuchtempfehlung geben?!
      Gruß Timo

      1. Patrick

        Hallo Timo, danke für deine Antwort.

        Ich betreibe 2 Aquarien a 2 Meter (500L). diese werden beleuchtet von LED-Strassenlampen (je Becken 2 Stück a 36Watt, also 72 Watt pro Aquarium. Die o.g. Frage kam auf, da ich Infos zu Bucephandra „Hades Dark“ gesucht habe, wo ich Ableger von einem befreundeten Aquarianer bekommen habe (keine Wildentnahmen). Die „geforderten“ Watt pro Liter erreiche ich ja mit LED nicht, daher meine Frage. Da aber Cryptos seid der Umstellung förmlich wuchern wollte ich da einfach mal etwas Gewissheit. Hab die Buce jetzt ca 14 Tage und das erste Blatt kommt bereits. Mal schauen, wie es sich weiterentwickelt.

        Grüße

        Patrick

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