10 Mythen in der Aquaristik

Moin,
da ich in letzter Zeit immer wieder Behauptungen lese, die früher mal heiß diskutiert wurden und später auch widerlegt worden sind, dachte ich, mach doch einfach mal einen Beitrag über die Mythen in der Aquaristik bzw. Legenden (da einige der aufgezählten Mythen ja manchmal auch wahr sind bzw. einige nicht 100% als richtig oder falsch zu betiteln sind!).

Mythen der Aquaristik

Diese 10 Mythen der Aquaristik halten sich leider weiterhin!

Also über Dinge, die immer wieder behauptet und dann von Neulingen aufgeschnappt werden, weil die alten Hasen die falschen Behauptungen in den Foren schon etliche Male aufklären mussten und die Lust verloren haben. Folgende Mythen habe ich einmal hinterfragt, teilweise widerlegt und teilweise erklärt:

  1. Tigergarnelen OE (mit Orangenen Augen) sind blind
  2. Anubien bzw. deren Beschnitt im Aquarium sind schädlich oder sogar tödlich für Garnelen
  3. Naturaquarien à la Amano haben eine sehr begrenzte Lebensdauer
  4. Es müssen immer Markenleuchtstoffröhren von Aquaristikherstellern sein
  5. Kein Düngen hilft gegen Algen
  6. Animpfen mit Wasser aus eingefahrenen Becken verkürzt die Einfahrzeit des neuen Aquariums
  7. Die Zugabe von Bakterienstartern in ein neues Aquarium ermöglicht den sofortigen Besatz mit Fischen
  8. Akadama Double line branded heißt, dass dieser zweifach gebrannt und somit härter ist
  9.  Fische passen sich der Aquariengröße an
  10.  Ein Aquarium zu betreiben ist sehr zeitaufwendig

Blinde Garnelen? Doppelt gebrannter Bodengrund?? Sofortiger Fischbesatz bei neuen Aquarien??? Wer hier nur Bahnhof versteht, sollte weiterlesen! (Alle anderen Interessierten auch;))

Tigergarnelen OE (mit orangenen Augen) sind blind

Laut Versuch von Carsten Logemann auf Crustahunter.com sind die Tigergarnelen Orange Eyes blind. Siehe dazu auch folgendes Video aus der Versuchsreihe von Carsten Logemann!

Anubien bzw. deren Beschnitt im Aquarium sind schädlich oder sogar tödlich für Garnelen

Ich selber kann das nicht bestätigen. Ich habe selber in zwei Aquarien mit Garnelen (darunter auch Red Bees), denen die Anubien nichts ausmachen – auch nicht, wenn ich diese mal schneide oder aus Versehen verletze. Ich vermute, dass gerade bei frisch aus der Gärtnerei kommende Anubien viele Schädlingsbekämpfungsmittel mit sich bringen, da sie meist über Wasser gezogen werden. Wässern ist also angesagt – was generell bei neuen Pflanzen gemacht werden sollte, wenn die Herkunft nicht bekannt ist!

Naturaquarien à la Amano haben eine sehr begrenzte Lebensdauer

Falsch! Je nach Größe können auch die mit viel Technik und Aufwand betriebenen Aquarien, die meist zum Aquascaping genutzt werden über einige Jahre aufrecht erhalten werden. Warum auch nicht? Lediglich muss man nach einigen Monaten die Düngung leicht umstellen, da die Pflanzen nicht mehr genug Nährstoffe über den Bodengrund (meist aktive mit Nährstoffen versetzte Soils) bekommen. Nun muss eben über die Wassersäule gedüngt werden. Alleine das Riesenaquarium vom Altmeister Takashi Amano steht seit einigen Jahren. Unten seht Ihr ein Video von der Einrichtung des Monstrums, welches nun schon einige Jahre so steht.

Es müssen immer Markenleuchtstoffröhren von Aquaristikherstellern sein

Es müssen keineswegs die teuren Markenleuchtstoffröhren sein, um ein schön bepflanztes Becken zu beleuchten. Ich selber habe günstige T5-Röhren quasi aus dem Baumarkt im Einsatz und kann mich beim Pflanzenwuchs rein gar nicht beschweren! Ob die teuren Markenröhren der Aquaristikhersteller nun nicht doch noch das ein oder andere Prozent an Wuchs bei den Aquarienpflanzen herausholen, mag sein – mir ist es der enorme Preisunterschied nicht wert. Mir persönlich kommt es auf eine ausreichend gute Energieeffizienz und Farbtemperatur an. Ich nutze zur Zeit in meinem 60er Glasgarten Osram Röhren mit jeweils 24 Watt und einer Lichttemperatur (Lichtfarbe) von 6500 Kelvin, was an das Tageslicht relativ nah herankommt und die Grüntöne schön strahlen und frisch wirken lässt.

Kein Düngen hilft gegen Algen

Ich denke jeder hatte schon einmal mit Algen zu tun. Einige wurden sie los und einige verfluchen diese schon seit Jahren. Oftmals wird der Tipp „Hör einfach auf zu Düngen“ als Allheilmittel gegen Algen verbreitet. Das kann auch helfen allerdings sollte man dabei auch bedenken, dass man den Pflanzen, welche normalerweise den lästigen Algen die überschüssigen Nährstoffe „wegsaugen“, die zum Wachsen wichtigen und nicht überschüssigen Düngstoffe auch vorbehält. Einige Leute stellen die oben genannte These um und Düngen sogar bestimmte Stoffe, wie Nitrat, Phosphat oder Kalium zusätzlich, um ein für Algen unpassendes und für den Wuchs der Wasserpflanzen zuträgliches Wassermilieu zu schaffen.

Ich setze erfolgreich auf die Aquarebell-Dünger. Bei diesen kann man die fehlenden Nährstoffe gezielt und einzelnd hinzugeben, was einem genau fehlt, und wodurch die Algen hervorgerufen werden muss man je nach Fall abschätzen. Die Forumsgemeinde von Flowgrow hat sich des öfteren schon mit solchen Fragen herumgeschlagen. Somit wurde eine Art Notplan für aquaristische Algen entwickelt.

Animpfen mit Wasser aus eingefahrenen Becken verkürzt die Einfahrzeit des neuen Aquariums

Ich gebe zu, ich habe auch lange gedacht, Wasser aus eingefahrenen Becken verkürzt die Einfahrzeit bei Aquarien. Dem ist aber definitiv nicht so, denn die Bakterien, die zur Nitrifikation wichtig sind, leben im Bodengrund, auf den Einrichtungsgegenständen bzw. den Pflanzen und im Filter. Und eben nicht, wie in der These angenommen, im Wasser.
Man kann allerdings, um das Becken anzuimpfen einfach etwas Mulm aus dem Boden des eingefahrenen Beckens saugen und diesen zusammen mit dem Wasser des gleichen Beckens ins neue Aquarium einbringen.

Mulmboden

Gut zu erkennen, der für das Gleichgewicht im Aquarium wichtige Bakterienmulm

Bitte aber das in Maßen, denn wer will schon dick mit Mulm belegte Pflanzen etc. außerdem würde vergammelnder Mulm das Wasser stark belasten. Ein einfaches Ausdrücken des Filterschwamms im neuen Becken kann auch zum Erfolg führen und die Einfahrzeit verkürzen. Es sollte trotzdem eine mind. zwei Wochen lange Einfahrzeit erfolgen – zum Wohle der zukünftigen Bewohner und Eures Geldbeutels!

Die Zugabe von Bakterienstartern in ein neues Aquarium ermöglicht den sofortigen Besatz mit Fischen

Passend zu Punkt 6, erhoffen sich die Aquaristik-Neulinge durch den Kauf der sogenannten Bakterienstarten, den sofortigen Besatz der heiß ersehnten Fische oder Garnelen. Ich kann nur empfehlen, etwas Geduld zu haben, auf die Bakterienstarter aus dem Handel zu verzichten und zu versuchen an etwas Mulm aus gesund eingefahrenen Becken aus dem Bekanntenkreis zurückzugreifen! Es spart Euch echt einiges an Geld. Zum einen das Geld für die Starterbakterien und zum anderen für die Fische, die den Tod durch Nitrit etc. sterben mussten.
Roland Lück schrieb auf Crustahunter bereits einen sehr interessanten Artikel zu den Bakterienstartern.

Akadama Double line branded heißt, dass dieser zweifach gebrannt und somit härter ist

Der eigentlich für Bonsais eingesetzte Bodengrund, namens Akadama wird häufig in den Foren als doppeltgebrannt und somit härter beschrieben. Die Bezeichnung Doppelgebrannt folgt allerdings nur dem Markennamen“Akadama Double Line Brand“. Was aber richtig ist, dass dieser Akadama im Vergleich zu anderen wohl härter ist – wenn man Kerstin von Crusta.de liest. Das ist keine über Leben und Tod entscheidende Tatsache, aber man stirbt ja ungerne dumm ;) Wer sich gerade nichts unter Akadama vorstellen kann, der möge sich folgendes Foto von Kerstin anschauen:

Fische passen sich der Aquariengröße an

Fische passen sich nicht dem Aquarium an

Wenn sie doch nur so klein blieben! Fische passen sich nicht dem Aquarium an

Es soll wohl noch Aquaristikhändler geben, die behaupten, Fische passen sich der Aquariengröße an. D.h., dass wenn ich einen jungen 3-4 cm großen Skalar, der naturgemäß alleine schon bis zu 25cm hoch wird, in ein nur 30cm hohes Becken setze, soll der sich dann über die Jahre bei der Startgröße halten? Wohl kaum! Zugegeben wäre es schon sehr praktisch, wenn ich in meine Nanoaquarien einfach sehr junge Skalare einsetzen könnte und diese dann einfach nicht mehr wüchsen, aber der Fakt stimmt einfach nicht – ich denke, weiter muss ich diesen Mythos nicht widerlegen, oder? :) Ich habe zwar keine Riesenfische bisher mein Eigen nennen dürfen, aber wer sie trotzdem gerne mal teilweise durchschauen mag, kann unter dem Label „Fische“ sie sich angucken.

Ein Aquarium zu betreiben ist sehr zeitaufwendig

Naja, je nachdem, wie groß das Aquarium ist und was man damit vor hat, ist man schon mit einer halben Stunde im Monat dabei (darin nicht eingerechnet sind Kurz-Arbeiten, wie bspw. Düngen, Fische beobachten oder füttern). Die halbe Stunde geht dann für den monatlichen Wasserwechsel drauf (bei gering bis mäßig dicht besetzten stabil laufenden Aquarien ist ein monatlicher Wasserwechselzyklus durchaus möglich). Wenn man jetzt allerdings ein Riesenaquarium hat, reicht eine halbe Stunde im Monat natürlich nicht für die Beckenpflege. Genauso wenig, wie für Aquarien, mit Hochzuchtgarnelen oder Aquascaping-Aquarien. Da kann man dann schon einmal mehrere Stunden monatlich oder gar wöchentlich für das schöne Hobby draufgehen lassen – aber wer sein Aquarium liebt, der schiebt – oder wie war das?…

Bonus-Mythos: Aquaristik hat mit Geduld zu tun und kann einem schon einmal den letzten Nerv rauben

Ja, es könnte durchaus möglich sein, dass man in der Aquaristik etwas Geduld aufbringen muss, bevor etwas so läuft, wie man möchte! Ebenso kann sie einem wirklich den letzten Nerv rauben – sei es dass Junggarnelen einfach nicht aufwachsen möchten und vorher sterben, der Heminathus-callitrichoides-„cuba“-Rasen nicht dicht wachsen möchte (so machst Du es richtig: Rasen im Aquarium) oder man zum 100. Male erfolglos mit einer feinen Pinzette versucht, Ulticularia gibba aus dem geliebten Weepingmoos herauszu pulen usw. Ich denke, jeder eingefleischte Aquarianer kennt die ein oder andere Geschichte, die da passen würde. Wenn Ihr Lust habt, schreibt mir doch auch mal Eure verfluchten Momente dieses doch ganz schönen Hobbies!

Ich hoffe, Euch kamen einige dieser Mythen bzw. Fakten auch bekannt vor und sie haben Euch gefallen! Wer mag, kann den Post gerne Anfängern ans Herz legen;)
MfG Timo

Letzte Aktualisierung am 15.12.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

5 Gedanken zu „10 Mythen in der Aquaristik

  1. Anonymous

    ES gibt da ein Gerücht ! Das heist Das Bodenfilter stark Algenfördernd sein sollen ??
    wolte mal fragen ob das stimmt ??

    1. Timo

      Hi,
      also ich habe ein Becken für Garnelen mit Bodenfilter laufen, habe derzeit bewusst sehr wenig pflanzen im Becken und kann von Algen nichts sehen!
      Generell kann ich dazu aber nicht viel sagen, aber man sieht auch nicht sonderlich viele Aquarien mit BoFi, die Algen verseucht sind.
      Gruß
      Timo

  2. merlin

    Hallo Timo, zu Punkt 9: Fische passen sich der Aquariengröße an, kann ich aus eigener Erfahrung folgendes berichten: ich hatte in meinem 60 L. Aquarium Endler Guppys. Die farbenfrohen Männchen waren ausgewachsenen gut 3 cm lang, die Weibchen etwas größer. Nachdem es mal wieder Nachwuchs gab, habe ich einem Bekannten vier Jungtiere abgegeben, die er in sein 30er Nano Becken eingesetzt hat. Somit hatten wir den direkten Vergleich zur Entwicklung der Fische. Dabei hat sich gezeigt, dass die Fische im Nano, ausgewachsen max. zwei Drittel der Körpergröße erreicht hatten als die im größeren Becken. Scheint doch etwas dran zu sein.

    1. Timo Artikelautor

      Hi Merlin,

      ok, das ist eine interessante Beobachtung! Waren denn die „Jungen“ auch wirklich ausgewachsen?

      Ich bin immer offen, solche Thesen, wie ich sie aufgestellt habe, widerlegt zu bekommen :) Freue mich über deinen Beitrag!

      Gruß
      TImo

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