Ultimative Pflanztipps, die jeder kennen sollte

Moin, da immer wieder auftauchende Fragen bezüglich „Wie Aquarienpflanzen richtig pflanzen?“ in Foren usw. auftauchen, dachte ich mir, dass ich doch einfach mal eine kleine Sammlung mit hilfreichen Pflanztipps anlege! Dabei geht es von den Basics wie bspw. „Steinwolle von Wurzeln entfernen“ bis hin zu Profitipps, die erfolgreiche Aquascaper nutzen, um ihre aufwendigen Layouts zügig zuwachsen zu lassen bzw. erst einmal bepflanzen.

Steinwolle und Nährgel von Aquarienpflanzen entfernen

Man kann wohl die Steinwolle an den Aquarienpflanzenwurzeln dran lassen, allerdings rate ich persönlich davon ab, da es einen spätestens dann ärgert, sie nicht entfernt zu haben, wenn sie irgendwann doch mal zum Vorschein kommt (sei es durch Herausziehen von anderen Pflanzen, oder fehlendem Kies).
So, wie nun aber die Wurzeln von der Steinwolle entfernen? Ganz einfach:

  1. grob die Steinwolle mit den Händen entfernen
  2. Dann mit einer Pinzette oder einer Gabel (Geheimtipp :P) restliche Stücke zwischen den feinen Wurzeln „herauskämmen“
  3. immer wieder zwischendurch die Wurzeln in einem Glas Wasser „ausschütteln“ oder unter fließendem Wasser auswaschen.
  4. Fertig!
Invitro-Töpfe mit verschiedensten Pflanzen –
das Nährgel sollte soweit wie möglich entfernt werden

Wurzeln der Aquarienpflanzen vor dem Einsetzen stutzen

Um die Pflanzen anzuregen, möglichst schnell neue Wurzeln auszubilden, schneide ich immer diese bis auf ein bis zwei Zentimeter ab. Das erleichtert auch das Einsetzen in den Bodengrund!

Pflanzen schön natürlich in den Bodengrund setzen

Zuerst Pflanzen tief in den Boden stecken, um sie sicher zu verankern, dann ein Stück wieder herausziehen. Der Vorteil von der Methode ist, dass man die vorher beschnittenen Wurzeln schon mal in die richtige Richtung stellt, und dass man so präziser die Pflanztiefe bestimmen kann. Außerdem kann man so auch besser bestimmen, wie weit die Pflanze beim Setzen aus dem Substrat schaut. Wie das gemeint ist, könnt ihr eventuell mit der folgenden Infografik (gilt auch für Punkt „Pflanzen treiben immer wieder auf – was tun?“)
besser nachvollziehen! (Klickt auf das Bild, um es groß zu sehen)

Eine Kurzanleitung zu den beschriebenen Punkten:
„Pflanzen schön natürlich in den Bodengrund setzen“
und „Pflanzen treiben immer wieder auf – was tun?“

Pflanzen treiben immer wieder auf – was tun?

Das Problem kennt wohl jeder: Man hat gerade die hübsche Pflanze neu gesetzt, sich die Hände gerade im Handtuch abgetrocknet und schon sieht man sie wieder an der Wasseroberfläche treiben. Ärgerlich und zeitraubend! Die in Punkt „Pflanzen schön natürlich in den Bodengrund setzen“ gezeigte Infografik soll hier auch verdeutlichen, wie vorgegangen wird! Ein einfacher Trick hilft, neben dem oberhalb kurz beschriebenen Einsetzen in der richtigen Tiefe, die Pflanze sicher im Boden zu verankern. Man nimmt einfach den Steckling und kürzt die untersten Blätter bis auf ca. 1–2cm ein und drückt die Pflanze dann so in den Boden. Die stehen gelassenen Blattreste dienen als eine Art Widerhaken, und verhindern so wirkungsvoll, dass die Pflanze wieder aus dem Bodengrund rutscht. Einfach aber genial, oder?

Pflanzen vorbereiten vor der Aquarien-Einrichten

Zur Pflanzenvorbereitung vor dem Einrichten zählt für mich vor allem die Vereinzelung der Pflanztöpfe und der oben bereits angesprochenen Entfernung der Steinwolle. Darüberhinaus beschneide ich auch die Wurzeln und stutze die Pflanzen, wenn es sein muss. Wenn man sich die vereinzelten Pflanzen schön auf einem Tablett anrichtet, geht das Einrichten um einiges schneller, da man diese nur noch mit der Pinzette greifen muss und nicht nach jedem Einpflanzen wieder erst die Pinzette weglegen muss, um einen weiteren Steckling fertig zu machen.

Vor dem eigentlichen Bepflanzen, sollten solche Gruppen wie
im Hintergrund zu sehen in Einzelpflanzen geteilt werden.

Glossostigma, Heminathus & Co einzelnd setzen

Vorteile der auf den ersten Blick sehr aufwendigen Methode ist, dass die einzelnen Pflanzen jede für sich schnell Ausläufer bildet und somit schneller einen Teppich bilden. Hier ist das oben angesprochene Pflanzenvorbereiten definitiv ratsam! Bei größeren Flächen kann es einen aber auch in den Wahnsinn treiben;) Hier ein kleines Beispiel, wie ich mein 18 Liter Becken mit Heminathus callitrichoides ‚cuba‘ bestückt habe:

Gut zu sehen: die einzelnd gesetzten Triebe

Dry-Start-Methode

Ich hatte die Dry-Start-Methode vor ein paar Tagen bereits kurz vorgestellt. Zusammengefasst kann hierüber gesagt werden, dass man die anfängliche Anwuchsphase (in der sich die Wurzeln im Boden verankern) ohne Wasser beginnt. Dies vermeidet häufig auftretende Algenplagen zu Anfang und erlöst einen vom ständigen Pflanzen auftreiben.

Wichtig bei der Dry-Start-Methode: regelmäßig
die Pflanzen besprühen (mind. 1x pro Tag)

Cryptocorynen einen gedrungeneren Wuchs verschaffen

Jurijs von Aquascaping Company hat mir einen Tipp bzgl. dem Pflanzen von Cryptocorinen gegeben. Einfach radikal die Blätter und Wurzeln vor dem Pflanzen stutzen, um somit einen gedrungeneren und dichteren Wuchs der – zu deutsch – Wasserkelche zu erlangen.

So radikal darf es manchmal eben doch sein! Das Ergebnis zählt!
Foto: Jurijs Jutjajevs

Wie gedrungen die oben gezeigten gekappten Cryptocorine becketti gewachsen sind, könnt Ihr hier sehen (nach nur ca. 4 Wochen!):

Foto: Jurijs Jutjajevs

Übrigens sollte man Cryptocoryne parva NICHT runterschneiden! Laut Jurijs verträgt diese es nicht so gut. Sonst kann man es bei allen Cryptos machen – Angabe aber natürlich ohne Gewähr;)

Cryptocorinen faulen direkt nach dem Einpflanzen

Bei Cryptocorinen tritt ab und zu recht zeitnah nach dem Einsetzen die sogenannte Cryptocorinen-Fäule ein, bei der alle Blätter absterben und weggammeln. Das Rhizom (also der Wurzelteil) bleibt allerdings meist intakt, sodass immer noch die Möglichkeit besteht, dass die Pflanze neu austreibt! Also nicht sofort die gesamte Pflanze rauswerfen ;)

Bodengrund wässern erleichtert das Pflanzen

Vor dem Beginn der Bepflanzung eines neuen Aquascapes handhabe ich es so, dass ich entweder großzügig den Bodengrund bzw. das Soil besprühe, oder das Aquarium schon einmal 1–2cm höher, als der Bodengrund ist, mit Wasser fühle.

Vorteil: Pflanzen trocknen nicht aus, Soil bleibt nicht an den Händen bzw. Aquascaping-Tools kleben und man sieht gleich, ob eine Pflanze nicht richtig im Boden hält.

Eleocharis vor dem Setzen stutzen

Zwergnadelsimse – egal ob Eleocharis parvula, pussila oder acicularis – sollte man unbedigt vor dem ins Becken setzen, ähnlich wie bei den Cryptocorinen, richtig knapp runter schneiden! Ich habe Eleocharis parvula bisher schon ein – zwei male eingesetzt und jedesmal vor dem Einsetzen runtergeschnitten – warum? Ganz einfach, weil sie so angeregt wird, schnell Blätter, die auch für „Unterwasser“ geeignet sind, ausbildet. Je öfter man schneidet, desto kleiner bleibt sie auch – siehe auch folgenden Abschnitt!

Häufiges Rückschneiden fördert den Bonsaiwuchs/dichteren Wuchs

Richtig schöne Pflanzenteppiche, oder ausgeformte Stängelpflanzen büsche erreicht man fast nur, wenn man wirklich regelmäßig (je nach Wuchsgeschwindigkeit) alle 4–8 Wochen die Schere schwingt und wirklich radikal die Pflanzen beschneidet. Denn an jeder Schnittstelle treiben die Pflanzen wieder mehrfach aus und somit wird der Rasen auch schneller komplett zugewachsen sein und der Busch aus Stängelpflanzen, wie bspw. Rotala rotundfolia erhält eher seine gewünschte Form.
Wie gesagt, man kann wirklich sehr weit herunterschneiden! Ich schneide bspw. bei Heminathus callitrichoides cuba als erstem Schnitt soweit herunter, bis ich fast den Bodengrund wieder sehe. Bei Rasen, die schon 1–2 Mal beschnitten wurden, gehe ich soweit herunter, bis ich die gelbliche/weiße Schicht des Pflanzenteppichs erreiche.

Hier vor dem Schnitt des Rasens aus Heminathus callitrichoides „cuba“
Hier nach dem Schnitt. Gut zu sehen die oben
angesprochene „gelbe Schicht“ des Pflanzenrasens

Moose ohne Hilfsmittel pflanzen

Wie man Moose ohne Hilfsmittel auf Steinen oder Wurzeln fixiert, hatte ich bereits einmal beschrieben. Ein Leser hatte dann den Einfall einfach ein paar Wochen bevor man das Aquarium einrichtet, die ausgewählten Steine/Wurzeln mit den entsprechenden Moosen auszustatten und in Plastiktüten anwachsen zu lassen. Wer genaueres lesen möchte, folgt dem KLICK!

Farne zurückschneiden

Farne, die frisch aus der Gärtnerei kommen, sollte man vorm Aufbinden bis auf das Rizom herunterschneiden. Diese treiben schnell wieder aus und zwar mit Blättern, die auf das Leben unter Wasser ausgelegt sind! (In Gärtereien, werden die Pflanzen nämlich meist über Wasser gezüchtet, sodass sie erst einmal eine Umstellung von emers auf submers vor sich haben – gerade langsam wachsende Farne haben damit Schwierigkeiten und werden so nicht selten von Algen befallen).

So kurz darf es schon sein!

Vorteil dieser Methode ist auch, dass die neuen Blätter sich natürlich dem Licht entgegenstrecken und so auch ausrichten. Auch wenn Farne relativ langsam wachsen, lohnt sich die Geduld und wird bald mit einem schön natürlich gewachsenen Farnbusch belohnt!

Nicht die billigsten Pflanzen nehmen

Um einen möglichst guten Start des neuen Aquariums zu gewährleisten wird in viele Dinge einiges an Geld gesteckt. Sei es der Bakterienstarter, der teure Japanbodengrund usw. so wird recht häufig an den Aquarienpflanzen gespart. Ich persönlich finde, dass man da wirklich auf Qualität setzen sollte, sodass man nicht am Tag der Einrichtung mit total matschigen Pflanzen, die man günstig im Internet geschossen hat, darsteht. Nicht falsch verstehen: Pflanzen im Internet zu bestellen ist heutzutage kein Problem mehr – nur sollte auf die Billigangebote aus der elektronischen Bucht eher verzichtet werden. Schöne und vor allem kräftige Pflanzen erhält man bei diversen Onlineshops (gerne mal auch in meiner Sponsorliste rechts stöbern), oder einfach aus privater Hand über Foren. Gerade Pflanzen aus irgendwelchen Billig-Gärtnereien stehen im Verdacht, stark mit Insektiziden und Düngern behandelt zu sein, was ein mehrtägiges Wässern vor dem Einsetzen in ein laufendes Becken erfordert. Letztlich muss jeder natürlich selber wissen, wieviel ihm die Pflanzen wert sind! Diese Empfehlung basiert auf eigenen Erfahrungen ;)

 Farne für ein Bonsaiaquarium vorbereiten

Close-Up eines Kongofarnblattes

Jurijs von Aquascaping Company wurde von Takashi Amano persönlich ein Tipp für die Einrichtung eines Bonsai-Aquariums (Aquarium mit Teil über Wasser) – dieser gilt natürlich auch für offene Aquarien – gegeben. Man nehme sich den gewünschten Farn (Jurijs hat mir allerdings nur von Bolbitis heudelotii berichtet), schneide dessen Unterwasserblätter ab und lasse das Rhizom an der Wasseroberfläche treiben (evlt. mit Schaumstoff als Schwimmhilfe) und wartet, bis dieser von selber Blätter aus dem Wasser streckt.

So, das war es erstmal mit Pflanztipps! Wenn sich wieder ein paar neue angesammelt haben, werdet Ihr es auf jeden Fall sofort hier lesen ;)
Falls Ihr noch welche habt, die für andere interessant sind, schreibt mir (im Kommentarform, per Facebook oder Mail!).
MfG Timo

7 Gedanken zu „Ultimative Pflanztipps, die jeder kennen sollte

  1. Anonymous

    Hallo Timo

    Mich würde ein vergleichs bild von dem zurückgeschittenen farn interesieren ( was und vorallem ob es was geworden ist ) was du hier zeigst

    1. Timo

      Hallo,
      also der Rückschnitt bei Farnen klappt definitiv! Leider habe ich kein Bild, wo man den weiteren Verlauf des Rückschnitts sehen kann.
      Es klappt aber eigentlich immer. Winzigste Rhizom-Stücke haben sich bei mir zu schönen Pflanzen entwickelt. Also keine Angst!;)
      Gruß
      Timo

  2. ingo

    na da hab ich ja ne Menge falsch gemacht. Bis auf die teuren Pflanzen. Jeden Morgen stecke ich die Bodendecker wieder in den Grund. Ich könnt verrückt werden. Werde jetzt das Wasser ablassen und die Pflanzen vereinzelt einstecken und ein paar Tage gut wässern. Ich hoffe es hilft noch, da die Pflanzen schon ziemlich teuer waren.

    Danke für die tolle Seite mit Tipps

  3. Pingback: Bodendecker im Aquarium – Top rasenbildende Pflanzen für dein Aquarium - Der Aquascaping Blog – Aquascapia

  4. Pingback: Tipps zur Pflanzenpflege – So klappt es bestimmt | my-fish

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